La vie – life – Leben


Der Blick…
April 22, 2008, 8:20
Gespeichert unter: Zukunftsgedanken

Gestern am Abend den Vorhang wieder nicht zugezogen, es war schon so dunkel, dass man einfach nicht daran gedacht hat. Es war ein Fehler, den die aufsteigende Sonne ist unerbitterlich. Sie gibt keinen Frieden. Die Augen blinzeln ihr entgegen. Die Augen wndern durch das Zimmer. Vom Kaktus der seit drei Wochen kein Tröpfchen Wasser gesehen hat, bis hin zum Hochzeitsanzug des Vaters, der seine Schuldigkeit nun schon an zwei Menschen vollrichtet hat. Nein er war nicht bei zwei Hochzeiten das essentielle Kleidungsstück, aber er wurde einfach gern getragen. Bei der Firmung, beim Tanzkurs, bei verschiedenen Bällen und schließlich beim eigenen Maturaball. Nun war schon lange keine solche Gelegenheit mehr und er verstaubt im Kasten, wohl behütet unter einer Plastikfolie, die ihn vor der größten Verschmutzung durch die lästigen umherfliegenden Staubpartikel schützen soll.

Der Blick wandert immer noch. Die unzähligen Puzzel, die nach erstmaliger Entjungferung wieder ordentlich zusammengepackt im Karton verschwinden und oft nie wieder das Tageslicht erblicken werden, da man nicht gerne die selben Dinge zweimal macht, auch wenn es in diesem Fall wirklich egal wäre.

Der Blick schweift weiter durch den Raum, am Stofftier der Kindheit vorbei, die unnützen technischen, elektrischen Geräte fast übersehend, die man sich vor Jahren so sehr zum Geburtstag oder zu Weihnachten gewünscht hat, deren Einzigartigkeit aber auch schon wieder verflogen ist.

 

Der Blick findet endlich sein Ziel. Es war so nah und doch wieder unbegreifbar. Du, du liegst neben mir. Tief und ruhig atmendist es das schönste Gefühl der ganzen Welt dir beim Schlafen zuzusehen. Deine Haare, die so wohlig riechen, ihr duft erfüllt den Raum, dass jedes Parfüm keine Konkurrenz gegen diese Haare ist. Sie sind nicht übertrieben lang, da du keine fünf Stunden zum Föhnen brauchen willst, sie sind aber auch nicht in die Form eines burschikosen Kurzhaarschnitts gebracht, gehen knapp über die Schulter und passen nur perfekt zu dir.

 

Der Blick weicht ab, findet aber kein anderes Ziel als deine Augen. Sie sind geschlossen, doch kann man ihre Güte, ihre Kraft und ihre Vollkommenheit spüren. Die Wimpern sind gepflegt. Sie bilden eine Einheit, eine vollkommene eineunendliche Einheit mit der kleinen Stuppsnase. Du hast eine schöne Nase, nicht so einen Zinken im Gesicht wie manch andere, bei der man im Profil das Gefühl hat, die Nase wäre ebenso groß wie der restliche Kopf. Sie verschwindet aber auch nicht. Die Gedanken schweifen ab. Warum gefallen einem eigentlich keine Extreme? Ich möchte keine Riesennase aber auch keine, die verschwindet an dir sehen! Warum bist du wiederum perfekt? Sind das nur meine Gedanken oder würde sich das jeder denken? Bei dieser Formvollendung komme ich zu dem Schluss, dass jeder, ich meine Ausnahmslos jeder die selben Empfindungen über deine Schönheit haben muss. Mit jedem Atemzug durch diese einzigartig perfekte Nase hebt sich dein Brustkorb, schiebt den gesamten Kopf ein kleines Stück nach oben.

 

Der Blick entdeckt nun auch deinen Mund, der ebenfalls diese ruhige monotone und doch so spannende auf und ab-Bewegung mitmacht, die der kleine Windstoß aus deiner Nase mit sich bringt. Plötzlich überkommt einen das absolute Gefühl völligen Glücks.Diese Empfindung soll nie zu Ende gehen. Ich will, ich werde nicht aufstehen. Du sollst auch nicht aufwachen, zu schön ist der Augenblick.

 

Wenn du munter bist erfüllst du mich mit Freude, da mich dein Humor und deine liebevolle Art immer wieder zum Lachen bringt. Triste Gedanken werden weggeblasen. Die Sonne scheint an einem regnerischen Nebeltag.

 

Wenn du aber schläfst, dann sind die Erinnerungen an diese phänomenalen Taten da. Somit weichst du auch in diesen Augenblicken nicht von meiner Seite. Wirst immer ein Teil von mir sein…


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