La vie – life – Leben


Wagner Oper Teil 2
Mai 29, 2008, 6:33
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Vertrauen ist gut, Kontrolle wäre oft besser.

Alles schien perfekt geplant oder zumindest gut durchdacht. Mein direkter Vorgesetzter hat mich am Dienstag, also zugegebenermaßen sehr kurzfristig gefragt, ob ich nach Bratislava in die Oper mitgehen wolle. Ich habe ihm kurzentschlossen zugesagt und auch noch ein anderer Österreicher ist mitgefahren. Die Wagnervorstellung hat um 19 Uhr angefangen, die reservierten Karten waren um 18 30 Uhr abzuholen. Da genügt es doch, wenn wir um 17 15 Uhr wegfahren, einen kurzen Abstecher in das 30 Minuten entfernte Nitra machen und dann erst die Reise in das 90 km entfernte Bratislava antreten.

Ich bin gefahren, mit meinem Höchsttempo von 140 km/h. Meine beiden Vorgestzten haben mir weißzumachen versucht, sie wüssten ganz genau, wo die Oper in Bratislava sei. Wir brauchen weder ein Navi einzuschalten, noch sollten wir uns einen Stadtplan besorgen oder auch nur die Route im Internet vorher anschauen.

Enstaunlicherweise kamen wir sogar pünktlich um 17 10 Uhr aus der Firma weg. Gaben in Nitra ein Packet ab und fuhren blitzeschnell in die slowakische Hauptstadt. Auch hier behinderten uns nur wenige Baustellen. Doch trotzdem stellte sich der Weg als ein wenig lang heraus und die Abfahrtszeit als eine Spur zu spät, wollten wir die Karten noch rechtzeitig um 18 30 Uhr abholen. Doch solch reservierte Karten wurden in der Regel ja ohnehin noch immer ein wenig länger aufbehalten.

Meine beiden Reisebegleiter wussten sogar, dass es in Bratislava eine alte und eine neue Oper gibt und auch, dass wir zur neuen müssen, die bei der auch der Katamaran aus Wien direkt vor der Einganstür anhält.

In Bratislava selbst gab es auch weder Stau noch größere Verzögerungen zwecks des Verkehrs oder anderen unvorhersehbaren, dramatischen Ereignissen. Wir mussten nur einmal kurz umdrehen und suchten uns dann einen Parkplatz in der Tiefgarage des SAS, besser bekannt als Charlton Hotel. Die Abstellplätze sind für einen Opel Zafira eher klein aber es ging sich schön aus und schnell hatten wir einen Parkplatz am obersten Parkdeck.

Nachdem sich herausgestellt hatte, dass wir nun doch bei dem falschen Veranstaltungssaal waren, weder bei der neuen, noch bei der alten Oper waren, erfragten wir uns den Weg zum Ziel. Es war mittlerweile schon 20 Minuten vor 7 Uhr. Ein netter Passant hat uns auf deutsch erklärt, dass die Oper in dieser Richtung ungefähr 300 Meter entfernt sei. Ich glaube er hat eher 3000 Meter gemeint. Zusätzlich schnitt uns noch eine Baustelle den direkten Weg zum Wagner-Konzert ab. Wir mussten kehrt machen, ein Stück zurückgehen und diese Hürde umgehen.

Nichtsdestotrotz sind wir um etwa 18 58 Uhr angekommen. Meine beiden Anführer strebten zielstrebig in das Gebäude hinein, ich hinterher. Drinnen wurde uns erklärt die Kassa sei woanders. Wir schon ein bisschen im Stress rannten hinaus, sahen uns um und fanden die Kassa erst wieder nicht. Die nächste herumstehende Person, ein fein gekleideter Herr wurde gefragt und er erklärte uns in gar nicht so schlechtem Deutsch, es ist eine Schande, dass ich noch immer nicht Slowakisch kann, hatte keine Zeit und keinen Lehrmeister, dass die Kassa einen Stock tiefer sei. Wir hasteten dorthin, bei einer abendlichen Wärme von 28,5° Celsius gar nicht so angenehm in den schicken Klamotten. Nun kamen wir um 19 00 Uhr dort an, ja es war noch nicht einmal nach sieben. Aber die Türe war zu. Ein nicht wirklich gesprächsbereiter VErkäufer gab uns zu verstehen, dass es zu spät sei und der Kartenverkauf schon abgeschlossen sei.

Daraufhin machten wir uns auf, gingen in Bratislava spazieren. Teilweise kommt einem diese Stadt wie der reinste Ostblock vor, teilweise hat der alte Stadtkern auch seinen Charm.

Leider kann ich euch nun nicht von meiner ersten Oper erzählen, aber ich habe auch etwas daraus gelernt. Bei einem Zusammenspiel von vielen unglücklichen Zufällen kann man oft nichts machen. Man sollte dann gute Miene zum bösen Spiel machen. Wären wir früher weggefahren, hätten wir in Nitra das Packet nicht abgegeben, wäre ich schneller gefahren, hätten wir irgendeine Ahnung von der Stadt, bzw. dem Platz der Oper gehabt, hätten wir nicht so ungünstig am anderen Ende der Stadt geparkt, wäre die Baustelle nicht gewesen oder hätte der Kartenverkäufer ein bisschen Mitleid gezeigt, ich hätte meine erste Oper in der Slowakei erlebt. Wäre um Stunden später ins Bett gekommen, hätte keine so tolle Geschichte zu erzählen und hätte auch wahrscheinlich noch nie Sushi gegessen.

Ja genau, anstatt der Oper gingen wir essen. Japanisch. Hat meine Geschmacksnerven nicht wirklich vom Hocker gerissen aber was solls. Noch dazu haben es sich meine zwei Vorgesetzten nicht nehmen lassen mich einzuladen und so habe ich wieder ungefähr 15 € gespart. Also im großen und ganzen war es ein sehr netter unterhaltsamer und ereignisreicher Abend. Heute wollte ich eigentlich Fußballspielen gehen, aber als ich am Platz ankam war niemand da. Irgendetwas verfolgt mich. Aber wie gesagt, think positiv, dadurch hatte ich viel Zeit diesen Eintrag zu hinterlassen.;)


2 Kommentare bis jetzt
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Was für ein großartiges Erlebnis! Oder so. :D

Kommentar von just4ikarus

hey, das is ja eine wirklich tolle geschichte. auch wenn sie unglücklich verlaufen ist, sie gefällt mir, das ist so typisch das leben. herrlich.
das ist toll.

Kommentar von lahja




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